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God of War

Im Falle von Kratos, dem Protagonisten der „God of War“-Reihe, zeigt sich diese Erwartungshaltung besonders deutlich: Als dieser, ein mächtiger spartanischer Feldherr, auf dem Schlachtfeld einer Horde von Barbaren unterliegt, bittet er um die Gunst des Kriegsgottes Ares und ihm im Austausch für ein verlängertes Leben und eine siegreiche Schlacht seine Seele an. (68) Durch den Einfluss des gewalttätigen Gottes verfällt auch Kratos während seiner nachfolgenden Feldzüge in einen Blutrausch und vernichtet in blinder Wut eine ganze Stadt – damit aber auch seine eigene Familie, die er, wahnhaft Mensch um Mensch tötend, zu spät als solche erkennt. (69) Getrieben von seinem Wunsch nach Rache an Ares, wird der Protagonist bald zum Spielball der gegeneinander intrigierenden Götter und zu deren mächtigem Werkzeug, aber auch zum Helden einer epischen Geschichte, die in ihren Grundzügen auf der griechischen Mythologie basiert. Als ebenso übermächtiger wie skrupelloser Krieger, präsentiert sich Kratos als ungewöhnliche Identifikationsfigur. Zwar wird sein unmoralisches Handeln durch dramatisch inszenierte Zwischensequenzen mehrfach beleuchtet, zugleich aber Empathie erzeugt für den leidenden Vater, der Ehefrau und Tochter verloren hat. (70) Durch das Auftreten eindeutig als Antagonist_innen gekennzeichneter Figuren kommt ihm automatisch die Rolle des Helden zu. Überdies werden die Momente der Reflexion durch die Spielmechanik kontrastiert, die sich zuvorderst durch andauernde Kämpfe gegen überlegene Gegnerscharen auszeichnet. Diese Gefechte geraten ausgesprochen blutig und werden mittels automatisch eingeblendeter Kommentare bewertet, je nachdem, wie viele Gegner_innen ohne Gegentreffer ausgeschaltet werden können und wie brutal die Spieler_innen dabei vorgehen. (71) Kratos, der von Gewissensbissen gepeinigte und Rachsucht getriebene, gefallene Held agiert somit in weiten Teilen des Spiels als menschgewordene Waffe, die ohne zögern mordet, obwohl eben dieses Verhalten den Grundstein für seine persönlichen Leidensgeschichte gelegt hat. Diese Ambivalenz schlägt sich auch in seinem Erscheinungsbild nieder: Das menschliche Ideal der griechischen Antike adaptierend, tritt Kratos als schlanke Gestalt mit deutlich hervortretenden Muskeln auf, die nur nur von einem Lendenschurz und wenigen Accessoires verdeckt werden. Seine Haut hingegen ist fahl, gefärbt von der Asche seiner getöteten Familie, sein kantiges Gesicht faltig und vernarbt. Ähnliches gilt für die übrigen männlichen Charaktere, die einen Großteil der tragenden Rollen bekleiden. (72) Die großgewachsenen Gestalten sind meist muskulös, bärtig und, ebenso wie der Protagonist, mit Narben und Falten übersät. Ihnen gegenüber stehen Frauen, die entweder durch deformierte Gesichter und Körper sowie prominent hervortretende Brustpartien als weibliche Kontrahenten hervorgehoben werden, oder, mit Ausnahme der Titanin Gaia (73), jung und makellos und damit als potenzielle Verbündete und Gespielinnen erkennbar sind. Insbesondere letztere treten kaum oder gar nicht bekleidet auf und werden visuell wie auch durch ihr Handeln überwiegend auf ihre Sexualität reduziert.

„Wie bei jeder Frau muss man einfach nur die richtigen Knöpfe drücken, und dann klappt das schon!“ (74)

Entsprechende Handlungen werden hier und da in den Spielfluss integriert, in vielen Fällen ohne konkreten Bezug zur Geschichte und nicht selten gänzlich kontextlos. So begegnet Kratos in „God of War II“ unmittelbar nach einem Kampf zwei nackten Frauen in einer Badeanstalt, die sich ihm – dem aschfahlen, schwer bewaffneten Fremden – bereitwillig hingeben (75), findet er in „God of War: Chains of Olympus“ zwei gleichermaßen nackte Frauen in der Abstellkammer eines verlassenen Gebäudes vor, die ihn sogleich zum Geschlechtsakt einladen. (76) Diese Frauen werden als immerzu willig und erregt charakterisiert, als sexuelle Entitäten, die sich Kratos‘ Männlichkeit nicht erwehren können. Jede Sexszene kann beliebig oft wiederholt werden, nie wird der Spartaner – trotz möglichen Versagens durch einen falschen Knopfdruck – abgewiesen. Die weibliche Sexualität zeichnet sich durch Passivität aus, die geschlechtliche Penetration gilt als leistungsorientierte Handlung, der eine greifbare Belohnung folgt.

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68 http://youtu.be/h54_jUXyFo8?t=11m8s
69 http://youtu.be/h54_jUXyFo8?t=15m14s
70 http://youtu.be/h54_jUXyFo8?t=23m51s
71 http://youtu.be/gEhMJJYD8e0?t=4m12s
72 http://www.godofwar-game.de/index.php/die-olympischen-goetter
73 http://youtu.be/h54_jUXyFo8?t=35m6s
74 http://youtu.be/aZfc1pN9iUc?t=2m47s
75 http://youtu.be/M7ohUGJ6ECI?t=9m26s
76 http://youtu.be/Qnk0VMEmkIk?t=7m23s