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Donkey Kong

In den 80er Jahren wurde diese visuelle Trennung zwischen Frau und Mann um klar definierte Rollenbilder ergänzt. Während Ms PacMan, so strittig ihr Erscheinungsbild auch gewesen sein mag, selbst als Handlungsträgerin auftrat, bekleideten weibliche Figuren fortan immer häufiger Opferrollen. Der berühmteste Wegbegründer dieses Trends war sicherlich „Donkey Kong“, der erste Arcade-Titel, mit dem Nintendo einen enormen Erfolg außerhalb Japans verzeichnete. Die dem Spiel zugrunde liegende Geschichte war denkbar einfach: Eine junge Frau, entführt von einem riesigen Affen, hoffte auf die Rettung durch den Protagonisten Jump Man, der später als Super Mario zu einer der bekanntesten fiktiven Persönlichkeiten der Welt werden und sogar Disneys Micky Maus übertreffen sollte. (36) Während eben jene Pauline mit wallendem Haar und rosafarbenem Kleid stereotyp dargestellt wurde, überraschte das Charakter Design des Helden, kam er doch als kleiner, untersetzter Mann mit Latzhose und Schnurrbart daher, der nicht dem gängigen Klischee des männlichen Heroen entsprach. Zunächst noch an die alten Popeye-Comics angelehnt, wurde bald auch der Stil der Illustrationen dergestalt weiterentwickelt, dass diese charakteristischen Merkmale noch deutlicher hervorstachen. Dies war die Geburt eines kleinwüchsigen, dicken Klempners aus Italien und eines denkbar ungewöhnlichen Rollenvorbildes, mit dem Nintendo vermittelte, dass auch Männer heldenhaft auftreten können, deren Stärke sich nicht unmittelbar in ihrem Körperbau manifestiert. Die Tradition von Frauen als Opfern und Männern als deren Retter wurde in den Folgejahren immer wieder aufgegriffen und etablierte eine feste Rollenverteilung, die ersteren bescheinigte, hilfsbedürftig und dekoratives Beiwerk zu sein (37) und letzteren die Aufgabe zuwies, als Retter in der Not in Erscheinung zu treten und unermüdlich Stärke zu beweisen. Charaktere, die diesem Muster nicht entsprachen oder deren Geschlecht eine eindeutige Kategorisierung nicht zuließ, waren eine Seltenheit und fielen immer wieder der strikten Zensurpolitik insbesondere Nintendos und Segas zum Opfer. (38) So wurde einer der bekanntesten Transgender-Charaktere der Videospielgeschichte, ein dinosaurierähnliches Wesen namens Birdo, das in Nintendos „Super Mario Bros. 2“ als Antagonist auftrat, nur einmalig als solcher (39) und später ausschließlich als weibliches Wesen präsentiert (40).


36 Berrin Beasley, Tracy Collins Standley – „Shirts vs. Skins: Clothing as an Indicator of Gender Role Stereotyping in Video Games” (2002)
37 siehe u.a. Tracy L. Dietz, „An Examination of Violence and Gender Role Portrayals in Video Games: Implications for Gender Socialization and Aggressive Behavior” (1998), Karen E. Dill & Kathryn P. Thill, “Video Game Characters and the Socialization of Gender Roles: Young People’s Perceptions Mirror Sexist Media Depictions” (2007), Yi Mou & Wei Peng, “Gender and Racial Stereotypes in Popular Video Games” (2009)
38 David Sheff, „Game Over“ (1993)
39 „Birdo thinks he is a girl and likes to be called Birdetta. He likes to wear a bow on his head and shoot eggs from his mouth.“ – aus dem Handbuch zur US-Version von Super Mario Bros. 2
40 http://www.mariowiki.com/birdo#Gender