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Bioshock Infinite

Auch in „Bioshock Infinite“, dem im März 2013 veröffentlichten dritten Teil einer populären Serie von Ego-Shootern, wurden ein markiger Held und eine junge, hübsche Begleiterin einander gegenübergestellt. Deutlich von religiösen Themen geprägt und im Amerika des Jahres 1912 angesiedelt, fällt die Rollenverteilung im Spiel anfänglich vergleichsweise simpel aus: Dem Protagonisten Booker DeWitt, einem dem Glücksspiel anheim gefallenen, gescheiterten Privatermittler, wird die Rettung eines jungen Mädchens aus der fliegenden Stadt Columbia und den Fängen des selbsternannten Propheten Zachary Hale Comstock aufgetragen. Hierbei handelt es sich um das einzig klar definierte Ziel, das Booker unhinterfragt auszuführen bereit ist – und mit ihm die Spielenden. (84)

„Warum sollen wir die junge Frau auf dem Foto überhaupt nach New York schaffen? […] Unseren Auftraggeber kennen wir nicht; wir wissen auch nicht, was er mit Elizabeth vorhat oder warum er das Mädchen überhaupt haben will.“ (85)

Ebenso erstaunlich wie die Bereitschaft, unter Zuhilfenahme brachialer Gewalt (86) auf ein unbestimmtes Ziel hinzuarbeiten, ist jene Elizabeths, den ihr unbekannten Ermittler gleich nach ihrer Befreiung zu begleiten. Überhaupt erscheint sie ausgesprochen kontaktfreudig und fröhlich, bedenkt man, dass die junge Frau Zeit ihres Lebens vollkommen isoliert in einem Turm gefangen gehalten wurde. Sie entspricht damit in vielerlei Hinsicht dem Stereotyp des „Manic Pixie Dreamgirls“ (87), einem lebhaften Mädchen, das nichts zu erschüttern und das der Welt mit grenzenlosem Optimismus zu begegnen scheint. Selbst nach der um haaresbreite missglückten Flucht aus ihrem Gefängnis, die gefolgt wird von einem tiefen Sturz in das künstliche Meer Columbias und dem nur knappen Entrinnen eines sicher erscheinenden Todes, ist Elizabeth nach Tanzen zumute, und sie begibt sich furchtlos unter die Einwohner der Stadt – ungeachtet der ständigen Gefahr, erkannt und abermals eingesperrt oder gar umgebracht zu werden. In Rezensionen gelobt als liebenswerter Sidekick (88), ist sie in der Tat zunächst kaum mehr als ein zum Leben erwecktes Klischee, was sich auch in ihrem Erscheinungsbild widerspiegelt: Elizabeth ist jung, dünn, versehen mit überproportional großen, blauen Augen und einem makellosen, filigranen Gesicht. Begründet wurde diese Wahl gestalterischer Mittel durch Ken Levine, den kreativen Schöpfer von „Bioshock Infinite“, mit folgenden Worten:

„Generally, people in media are more attractive than the average person. People like looking at attractive people.“ (89)

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84 http://www.youtube.com/watch?v=JtVTEpA7tvo
85 GameStar, 05/2013, S. 54
86 https://www.youtube.com/watch?v=tu7udx5ZMOw
87 http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/ManicPixieDreamGirl
88 GameStar, 05/2013, S. 54
89 http://www.ign.com/articles/2012/01/05/focus-on-bioshock-infinites-story-not-its-boobs